Überlebende des Ghettos Theresienstadt berichtet eindrucksvoll Kaarster Realschülern
von Website-Team
Überlebende des Ghettos Theresienstadt berichtet eindrucksvoll Kaarster Realschülern
“Jeder ist nur für seine eigenen Taten verantwortlich!”
Überlebende des Ghettos Theresienstadt berichteteindrucksvoll Kaarster Realschülern
Auf dem Bildschirm in der Klasse 9C erscheint ein schwarz weiß gefleckter Hund aus Holz. Er passt in die geöffnete Handfläche von Frau Dr. Michaela Vidlakova, die aus Prag an diesem Morgen per Videokonferenz in die Lehrräume der Realschule Kaarst zugeschaltet ist. “Als wir aus Prag 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert wurden, habe ich ein einziges Spielzeug mitnehmen können: Diesen Hund, den mein Vater für mich gebastelt hatte.”
Die 89-Jährige schafft es während ihres 90-minütigen Vortrags mit ihren Erinnerungen, mit historischen Abbildungen und Grafiken die Aufmerksamkeit der 8.- bis 10.-Klässler auf sich zu ziehen. Sie lässt die Jugendlichen an ihrer Lebensgeschichte teilhaben: 1936 in der demokratischen Tschechischen Republik mit Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Briefgeheimnis, Gewaltenteilung und freien Wahlen geboren, erlebte sie in der deutschen Besatzung ab März 1939 Diskriminierung, Verfolgung, Deportation. Weil ihr Vater, studierter Ingenieur, bei Ankunft im Ghetto als Beruf Zimmermann angab, wurde er mit seiner Frau und der kleinen Michaela nicht auf Weitertransport in ein Vernichtungslager geschickt, sondern leistete Zwangsarbeit.
Das Zeitzeugengespräch konnte durch eine Kooperation zwischen der Realschule Kaarst und dem Maximilian-Kolbe-Werk für die Schüler anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz realisiert werden.
“Ein Sturm war unser großes Glück”, führt Dr. Vidlakova auf Deutsch aus. Weil einige Dächer beschädigt wurden, brauchte man ihren Vater noch einmal zur Reparatur und strich ihn von der Transportliste des letzten Zuges nach Auschwitz.
Am 28. Oktober 1944 fuhr er mit 2038 Menschen ab. Ohne die kleine Michaela und ihre Eltern. Die Großeltern hingegen wurden in der Gaskammer ermordet.
Zum Abschluss können die Schüler Fragen stellen. Warum sie so gut Deutsch sprechen könne, will Adrian wissen. Das habe ihr ein 6-Jähriger ohne Eltern im Lager beigebracht. Nach dem Krieg hatte sie gehofft, ihre Eltern könnten ihn adoptieren, sein Schicksal blieb aber bis heute ungeklärt.
Ob es ihr schwer falle, in der Sprache der Täter heute zu sprechen, fragt einer hinterher. Dr. Vidlakova wird deutlich: “Jeder ist nur für seine eigenen Taten verantwortlich! Wieso sollte ich nicht mit jungen Menschen auf Deutsch sprechen, die keine Verantwortung für den Holocaust tragen? Es ist die Aufgabe der jungen Menschen zu verhindern, das so etwas noch einmal passiert.”

